"Lernen durch Schmerz ...."
... oder gut vorbereiten und auf Gott vertrauen ...
Mein alter Kommandeur bei den Fallschirmjägern erklärte es so: "Es gibt ganz viele Möglichkeiten zu lernen. Unerfahrene Hitzköpfe und die Dummen wählen zielsicher fast immer den schwersten Weg und der heißt: „Lernen durch Schmerz!“. Vermeidet diesen Weg, indem ihr euch vorbereitet, indem ihr euch gut vorbereitet!
Und noch eins: Der Zufall trifft euch immer dort am härtesten, wo ihr nicht vorbereitet seid!" "Also", sagte er mit Bedacht und zog dabei belehrend und schmunzelnd seine rechte Augenbraue nach oben, "bereitet euch immer gut vor. Das ist die eine Hälfte. Und dann ...", er zog seinen Atem bei geschlossenem Mund durch die Nase ein, bevor er sagte: "ja dann vertraut auf Gott! Das ist die andere Hälfte."
Hier also ein paar Tipps zur Vorbereitung:
Leitungswasser, Wanderkarte, Taschentücher, Blasenpflaster.
Das klingt im ersten Moment vielleicht mehr als trivial, löst aber 80% der Probleme beim Wandern. Für die restlichen 20% bist du zu 80% auch wieder selbst verantwortlich. Das ist das Pareto-Prinzip, welches fast einem Naturgesetz gleichgesetzt werden kann.
1. Ein Liter Leitungswasser
2. Eine Wanderkarte eingepackt in Schutzfolie
Nützlich ist die Orientierung mit Karte vor allem dann, wenn mal wieder eine Wandermarkierung sehr versteckt liegt, nur noch rudimentär oder nicht mehr vorhanden ist oder alle Muschelsymbole mit unterschiedlichen Pfeilrichtungen sich an einem Ort versammelt haben. Auf großen Tagesetappen mit fast 30 km können 2000 m Extra-Weg schon wehtun. Gesperrte Wege, Baustellen und viele andere Widrigkeiten können dazu führen, dass man von der vorgegebenen Route abweichen muss. Eine Karte kann hier sicher und schnell helfen. Braucht man die Karte nicht mehr, kann sie – last, but not least – als Zunder für den Kamin oder das Lagerfeuer verwendet werden. Nach mehr als 4 Jahren Pilgererfahrung verzichte ich jedoch komplett auf die Mitnahme von Kartenmaterial und nutze ausschließlich GPS-Daten auf meinem Handy.
3. "Brain-Walk" vs. GPS
Leider stimmen Wegebeschreibungen in Pilgerbüchern, Wegelinien auf Internetkarten und reale Wegmarkierungen nicht immer (eigentlich fast nie!) überein. Sonst wäre es ja auch zu einfach ...
... auch Wegmarkierungen sind nicht immer da zu finden, wo sie notwendig wären. Eine Etappe ohne eine kleine oder größere Wegeänderung ist in Deutschland die Ausnahme. Insbesondere in Städten sind Bau- und Restaurierungsarbeiten oftmals ein Grund dafür. Pilgern ohne GPS-Daten auf meinem Handy ist für mich unvorstellbar geworden! Viele Mobiltelefone verfügen über GPS-Empfang auch ohne Internet. Wer will, kann sich GPX-Tracks herunterladen und sich damit den Weg anzeigen lassen. Die digitale Wanderkarte mit Wegweisung ist sehr empfehlenswert! Sie erspart Frustration, Plan- und Orientierungslosigkeit, ist kostenlos und funktioniert meistens auch im tiefen Wald!
4. Eine Packung Taschentücher
5. Blasenpflaster
6. Schweizer Taschenmesser
Warum eine Nagelfeile? Dazu musst Du dir nur einmal einen Fingernagel einreißen ... Danach weißt Du, was ich meine.
Liegen eine Kirchen-Krypta, Katakomben, Höhlen, alte (Brau-)Keller oder Gewölbe auf dem Weg, kann eine kleine Taschenlampe eine sinnvolle Ergänzung sein. Meist reicht jedoch die verbaute Leuchte am Handy aus.
7. Regenponcho, Gasfeuerzeug, Taschenlampe
Eine Taschenlampe bzw. Stirnleuchte kann nach persönlicher Beurteilung aus Gewichtsgründen auch weggelassen werden, da alle Handys eine solche mitverbaut haben. Wer sich ohne Powerbank (klein ca. 110g) auf den Weg macht, ist selbst schuld ...
8. Bequeme, eingelaufene Wanderschuhe
Wer sich Outdoor-, Walking- bzw. Wanderschuhe anschafft, ist gut beraten, wenn er nicht nur auf die richtige Größe (Fußlänge), sondern auch auf die richtige Fußbreite achtet. Haben die Zehen zu wenig Platz, dann gibt´s Blasen. Und da helfen auch keine Angora-blasenfrei-pilgerspezial-weihwassergebadeten-Wandersocken. Breitere Schuhe werden in Fachgeschäften angeboten und haben selbstverständlich einen höheren Preis als beim Discounter. Wer öfter wandert oder pilgert, wird diesen Preis aber gerne bezahlen und als Investition sehen. Dafür braucht man dann weniger bis gar keine Pflaster mehr, die Schuhe halten wesentlich länger und der gesamte Bewegungsapparat wird durch eine bessere Schuhdämpfung entlastet. Wenn Pilgern Beten mit den Füßen ist, dann sollte es Deinen Füßen gut gehen, damit die Gebete fröhlich und gottgefällig sind und nicht jammernd, wehklagend oder gar fluchend.
9. Tagesleistung durch Übung erweitern
Ungeübt eine Tagesetappe von mehr als 20 km in Angriff zu nehmen, halte ich für möglich, aber unter Umständen gewagt. Eine Marschleistung von ca. 4-5 km/h lässt sich dann meistens nicht durchhalten. Das kann gegen Ende der Tour schnell zu Frustration führen.
12 km in den Schweizer Bergen sind auch nicht vergleichbar mit einem 25 km Marsch durch die Lüneburger Heide. Wählen Sie zum Einüben eher kürzere Tagestouren aus. Man steigert die eigene Leistungsfähigkeit relativ schnell und entwickelt dann auch ein Gefühl für "Distanz". Die Tagesetappen liegen im Durchschnitt bei 20 km. Kurze Etappen von 9 km wechseln sich manchmal mit extremen Wegstrecken von fast 40 km ab. Meist ist dies der Infrastruktur geschuldet, d.h. touristische Zentren wechseln sich mit langgezogenen Waldstrecken und dünner Besiedelung ab. Manche Ortschaften werden nur zweimal am Tag vom Schulbus frequentiert. Weiterer Nahverkehr ist nicht vorhanden. Ähnlich sieht es dann mit Übernachtungsmöglichkeiten aus. Diese "Durststrecken" muss der Pilger in einer Etappe übermindeln.
Sie sollten in der Lage sein, eine Tagesleistung von 40 km mit Rucksack zu bewältigen.
Durch zusätzlichen Proviant und Getränkevorrat wird der Rucksack noch schwerer und Sie werden sich u.U. auch noch verlaufen! Gleichen Sie diese Eventualitäten mit guter Kondition, GPS und einer vorausschauenden Planung aus.
10. Insektenschutz
Richtig gemein sind auch nicht die Stechmücken, sondern die "Bremsen". Den Schmerz spürt man erst dann, wenn es schon zu spät ist. Für diesen Fall gibt es auch genügend Cremes oder Gels in Drogeriemärkten oder Apotheken.
Zecken sind ein besonderes Thema, auf das ich gesondert eingehe. Zumindest sollte man auf Tagestouren eine Zeckenzange mitführen, denn die Tierchen sind alles andere als harmlos.
11. Hunde, Schlangen, wilde Tiere
Die Raupe zählt zu den giftigsten Insekten Europas (was im Vergleich mit anderen Kontinenten eher moderat giftig ausfällt). Die feinen, weißen Brennhaare der Raupe können durch das enthaltene Eiweißgift bei Berührung zu einer starken Reizung der Haut (Raupendermatitis) führen. Der Wind kann die Brennhaare zudem über weite Strecken transportieren. Mittlerweile sind wir ja das Tragen einer Atemschutzmaske gewohnt. Meist ist der ... Kontakt nicht lebensgefährlich. Die Wahrscheinlichkeit auf eine Schlange zu stoßen ist sehr gering. Es gibt aber Lebensräume in denen sie vermehrt anzutreffen sind und durch diese führt manchmal auch unser Weg. Schlangen reagieren auf Bodenvibrationen – wenn eine Wandergruppe durch den Wald tobt, ziehen sich Schlangen schnell zurück. Sie sind wechselwarm, gut getarnt und lieben sonnige Plätze. Da liegt die Gefahr! Wir kommen der sonnenbadenden Schlange überraschend zu nahe. Oft sind Warnschilder aufgestellt um Zusammenstöße zu verhindern. Mach Dich ein bisschen mit den wichtigsten Arten vertraut. Und bitte nicht mit dem Wanderstock auf die völlig harmlose, naturgeschützte Blindschleiche einprügeln! Die giftigsten Tiere Deutschlands sind die Kreuzotter, die Gartenkreuzspinne und die Aspisviper. Die Kreuzotter gilt zugleich als giftigste Schlange in Europa – d.h. wir finden sie auch in Frankreich und Spanien. Sie wird bis zu 80 cm lang und lebt in Wäldern und Heiden. Ihr Gift ist zwar stärker als das der Diamant-Klapperschlange, wegen der geringen Giftmenge pro Biss ist sie aber kaum lebensgefährlich. Der Biss selbst ist jedoch sehr schmerzhaft. Wie die Kreuzotter wird auch die Aspisviper bis zu 80 cm lang. Ihr Biss ist ebenfalls meist nicht lebensgefährlich, sollte jedoch medizinisch behandelt werden.
Die Gartenkreuzspinne gilt als giftigste Spinne in Deutschland, gefolgt vom Ammen-Dornfinger und der Wasserspinne. Der Biss ist nicht tödlich, führt jedoch manchmal zu erheblichen Schmerzen, Schwellungen und Übelkeit. Bei solchen Reaktionen sollte man einen Arzt aufsuchen. Nach dem Biss einer Schlange oder des Dornfingers sollte man unbedingt einen Arzt aufsuchen. Ammen-Dornfinger und Wasserspinne sind in Deutschland aber mittlerweile sehr selten anzutreffen. Der Feuersalamander (Salamandra salamandra) sondert über seine Haut ein giftiges Sekret ab. Für den Menschen ist es jedoch eher harmlos und ungefährlich. Der Feuersalamander ist zudem sehr selten geworden und meist erst in den späten Abendstunden aktiv.
Bevor wir auf ein Wildschwein, einen Wolf, Luchs oder auf Bruno den "Problembären" stoßen, werden uns aus einem Versteck lossprintende Hasen oder plötzlich auftauchende E-Bike-Fahrer höchstwahrscheinlich mehr erschrecken. Wildschweine, Bären oder Wölfe können je nach Region eine ernstzunehmende Gefahr darstellen. Informieren Sie sich hier bei den Tourismuszentralen der jeweiligen Region bzw. des Landes durch das Sie pilgern. In Spanien besteht die Möglichkeit in den Herbergen und Hotels auf Bettwanzen (span. "Chinches") zu stoßen. Wann immer möglich sollte der Rucksack ans Bett gehängt werden. Bodenkontakt oder Ablage auf dem Bett sind zu vermeiden. Keine falsche Scham: Wer auf solche Tierchen trifft, der sollte es der Herbergsleitung auch mitteilen.
12. Sich einen Wolf laufen ...
Reibung verhindern:
1. Richtige Kleidung: Gut geeignet ist enganliegende Funktionskleidung ohne störende Nähte. Diese nimmt Schweiß effektiv auf und hält die Haut so trocken. Durch den engen Sitz entsteht weniger Reibung. Gegen wunde Stellen unter der Brust helfen gut sitzende Sport-BHs.
2. Gefährdete Stellen eincremen (Vaseline, Hirschtalg, Zinkcreme).
3. Stellen abtapen: Pflaster und Tapes verhindern eine Reibung, aber nur wenn sie auch fest halten.
Behandlung mit einfachen Wund- und Heilsalben.
13. Wegmarkierungen – Hilfe und Fluch
Infektionsgefahr durch Zeckenstich
Die größte, fast immer vorhandene Gefahr nähert sich meist unbemerkt in Form von Zecken. Wer im Sommer viel in der Natur unterwegs ist, sollte sich impfen (FSME) lassen. Die winzig kleinen Spinnentiere (ca. 4 mm) gehören zur Unterklasse der Milben. Beim Blutsaugen übertragen sie Krankheiten wie Borreliose, Frühsommer-Meningoenzephalitis (Hirnhautentzündung – FSME) und einige mehr. In milden Wintern halten sie keinen Winterschlaf.
Beim Saugakt spuckt die Zecke während der Blutmahlzeit immer wieder unverdauliche Nahrungsreste in ihren Wirt zurück. Krankheitserreger werden so übertragen. Bei der Borreliose zum Beispiel werden etwa 6 bis 24 Stunden nach dem Einstich die Erreger in den Wirt injiziert. Eine möglichst rasche und vorsichtige Entfernung einer Zecke ist daher dringend angeraten.
Junge Zecken enthalten übrigens bis zu 10-mal mehr Erreger als ausgewachsene Exemplare.
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